Hockergymnastik

„Ich möchte diesen Menschen Mut machen“

BN-Breitensportserie: Zu Gast an der Jägerstraße bei der Hockergymnastik-Gruppe des TuS

Von Marcus Alwes

Bramsche. Maurice trägt einen feuerroten Pullover. Er ist 92 Jahre alt. Er dehnt sich und reckt sich und streckt sich. So wie es Karin Hoege ihm und den anderen vorgibt. „Achtet auf die richtige Atmung“, ruft die Kursleiterin mehrfach.


In der Jägerstraße in der Bramscher Gartenstadt ist Hockergymnastik angesagt. Karin Hoege und der TuS Bramsche haben sich hier in den Räumen der VHS „eingenistet“. Und wir dürfen eine Stunde lang aktiv mitmachen. Es ist – kurz vor dem Weihnachtsfest – die 22. Folge unserer Breitensportserie „Fit in unserer Stadt“.

Die Senioren um mich herum heißen Maurice, Eva, Theo, Edith, Traude und Urban. Jeder von ihnen hat sich einen Hocker – besser gesagt einen Stuhl mit Lehne – geschnappt. Auf, an und mit diesem wird „gearbeitet“. Arme, Beine und Füße werden gezielt bewegt. Der Rücken wird gedehnt. Ganz einfach. Und jeder so gut er es kann. Hoch und runter. Aufstehen, hinsetzen. Auch ich mache mit. Zwischendurch gehen alle im Raum mehrmals umher. „Lebensgeister wecken“, nennt das die Kursleiterin. Im Hintergrund läuft Musik von Walzerkönig André Rieu.

Mit 92 Jahren aktiv dabei

Das Tempo der Übungsstunde ist sehr gut auf das Alter der (heute) sechs Teilnehmer abgestimmt. Niemand wird überfordert. Karin Hoege nimmt sich zudem die Zeit, auch individuell auf die Gruppenmitglieder einzugehen. Wo es sein muss, hilft bzw. korrigiert sie. „Manchmal sitzen wir hier auch mit neun oder zehn Personen“, sagt sie. Dabei gehe es nicht nur um die sportliche Bewegung, „auch die Gespräche und die sozialen Kontakte untereinander sind hier ganz wichtig“.

Es wird gescherzt und hier und da ein Witz gemacht. Besonders Theo haut gerne mal einen „raus“. Ich muss gleich mehrfach schmunzeln. Währenddessen hat Karin Hoege bereits an jeden die Gummibälle für die nächsten Übungen verteilt. Große und kleine. Ich bin erstaunt. Die großen Bälle sind leichter als die kleineren. Mit allen werden die Koordination und die Beweglichkeit trainiert. Später kommen noch einige Gleichgewichtsübungen hinzu. Als Sturzprävention. Karin Hoege – offiziell eine Orthopädische Übungsleiterin – könnte auch die noch im Schrank liegenden Therabänder oder kleine Gewichte zum Einsatz bringen. Diesmal verzichtet sie allerdings darauf.

Auch als Sturzprävention

Bemerkenswert finde ich aber, dass im Stuhlkreis urplötzlich auch Wäscheklammern und einige Bierdeckel eine Rolle spielen. Für jeden heißt es nun: Die Untersetzer mit einer Klammer in der linken Hand von einem Nachbarn annehmen und zum anderen Nachbarn – mit einer zweiten Klammer in der rechten Hand – weitergeben. Immer und immer wieder. Besonders Motorik und Konzentration werden auf diesem Weg geschult.

Während der letzten fünf Minuten startet Karin Hoege „die Reise nach innen“. Autogenes Training. Das Licht im Kursraum ist aus. Alle sind ruhig geworden. „Entspannung ist am Ende wichtig“, betont die Gruppenleiterin. „Alle sollen Ruhe finden.“