von TuS Bramsche
Rudern - 54. Münsteraner Ruderregatta auf dem Aasee
Regattabericht: 54. Münsteraner Ruderregatta auf dem Aasee
Bericht von Mark Walter
Der Aasee in Münster rief – und die Ruderabteilung des TuS Bramsche folgte am Wochenende des 25. und 26. April 2026 mit einer motivierten Truppe zur 54. Auflage dieser Traditionsregatta. Münster bietet mit dem Aasee eine der schönsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Kulissen für den Rudersport. Nach einem langen Wintertraining war Münster unsere allererste Regatta des Jahres 2026 und die Vorfreude darauf, endlich wieder Wettkampfluft zu schnuppern, war im gesamten Team förmlich greifbar! Zwischen Parkanlagen und Zuschauerrängen wollten wir nicht nur zeigen, was in unseren Oberschenkeln steckt, sondern vor allem die Gemeinschaft pflegen, die unseren Verein so besonders macht.
Anreise mit dem obligatorischen „Kleeblatt“
Die Reise begann bereits mit einer Einlage, die sich langsam zum echten Running Gag entwickelt. Andre und Michael waren in Bramsche schon mal vorgefahren, um beim Bäcker noch das eine oder andere für sich zu kaufen. Auf dem Weg nach Münster legte der Bootstransport dann auf dem ersten Parkplatz an der A1 einen kurzen Stopp ein, um die Gurte nach den ersten bewegten Metern nochmals zu kontrollieren. Genau in diesem Moment rauschten die beiden an uns vorbei und fuhren mit deutlicher Geschwindigkeit weiter Richtung Münster. Gemerkt haben sie es erst kurz vor dem Ziel! Da wir eine ähnliche Situation letztes Jahr schon einmal auf dem Rückweg vom Fari Cup in Hamburg hatten, wussten sie sich aber zu helfen: Sie sind im Nordkreuz Münster einfach so lange Schleifen im Kleeblatt gekreist, bis wir endlich aufgeschlossen hatten. Zur Erinnerung: Männer, der Hänger darf nur 80 km/h!
Am Regattaplatz angekommen, hieß es erst einmal: Stellplatz suchen. Es war definitiv voller als letztes Jahr und wir standen nochmals einige Meter weiter weg vom Steg. So wurde das Tragen jedes Bootes zum Anleger zu einem eigenen sportlichen Aufwärmprogramm. Aber im Team war das dennoch gut machbar. Es sah nur irgendwie komisch aus, wenn man mit „Rosi“, unserem Holzvierer mit H-Kennzeichen, „locker“ an all den anderen Regattateilnehmern zum Steg vorbeiläuft. Das Wetter hingegen war eine Wucht: Morgens herrschte noch „Kühlschrank-Atmosphäre“, während wir nachmittags bei bestem „Sauna-Wetter“ ruderten. Der See selbst blieb ruhig, begleitet von leichtem, wechselndem Wind, was faire Bedingungen schuf.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer
- Frauen: Dirtje Leopold, Stefanie Pargmann, Marion Schulenberg, Susanne Hemmersmeier
- Männer: Mark Walter, Michael Meyer, Andre Oestreich
Renntag 1 – Samstag, 25. April 2026
Masters Männer Einer (1.000 m)
- Rennen 202, Altersklasse MC (43)
- Starter: Mark Walter (82)
- Ergebnis: 1. Platz in 3:44,26 min Mein erstes Saisonrennen im neuen Boot war ein echter Krimi. Am Start herrschte Chaos, da ein anderer Teilnehmer bei seiner Einer-Premiere Probleme mit dem Ausrichten ohne Startanlage hatte. Während das Feld sortiert wurde, trieb ich in die Bojenkette und musste dem Schiedsrichter den Abbruch anzeigen. Also alles auf Anfang, ewig langes Einschwimmen – die Konzentration war dahin. In der Hektik des SpeedCoach-Neustarts verpasste ich dann quasi den Start. Da die Blätter noch flach aufgedreht waren, ließ es sich natürlich extrem schlecht losrudern. Bis ich das behoben und mich in der ganzen Aufregung wieder gefangen hatte, war das Feld schon drei Sekunden weg. Doch sich beirren zu lassen, war keine Option: Kurz gesammelt, dem Feld hinterhergepflügt, nach 300 Metern war ich wieder dran, bei 400 Metern übernahm ich die Führung und fuhr das Rennen souverän zu Ende. Ein echtes „Kack-Rennen“, aber am Ende zählen die gewonnene Erfahrung, das erste Rennen des Jahres mit einem schönen Ende und ein absoluter Arbeitssieg!
Frauen-Doppelzweier (1.000 m)
- Rennen 206, Altersklasse MB (36)
- Starterinnen: Marion Schulenberg (89), Stefanie Pargmann (91)
- Ergebnis: 1. Platz in 4:06,66 min Unsere Frauenpower stand dem in nichts nach. Schon am Start gab es eine nette Begegnung: Die Gegnerinnen fragten ganz direkt, ob Stefanie und Marion ihre Konkurrentinnen seien, da sie „so professionell“ aussehen würden. Das Kompliment konnten die beiden nur zurückgeben, denn sie dachten von ihren Gegnerinnen exakt dasselbe! In einem souveränen Rennen ohne Fehl und Tadel dominierten Marion und Stefanie schließlich ihr Feld und holten sich hochverdient den zweiten Sie im Zweiten Rennen des Tages für den TuS Bramsche.
Männer-Doppelzweier (1.000 m)
- Rennen 207, Altersklasse MA (27)
- Starter: Michael Meyer (80), Andre Oestreich (81)
- Ergebnis: 3. Platz in 4:19,41 min (gerudert: 4:25,41 min) Die Nervosität vor dem ersten Start war groß und der eigene Leistungsstand noch völlig unklar. Der fliegende (schwimmende) Start auf dem Aasee erwies sich als schwierig, das Rennen wurde hektisch und die Schlagzahl ließ sich schwer kontrollieren. Durch den späten Wiedereinstieg und die kurze Trainingsphase kam der körperliche Einbruch früh, aber die Jungs kämpften sich bis auf den Podestplatz durch und nahmen wertvolle Eindrücke für das Training mit.
Mix-Doppelvierer (1.000 m)
- Rennen 211, Altersklasse MC (43)
- Starter: Dirtje Leopold (67), Michael Meyer (80), Andre Oestreich (81), Stefanie Pargmann (91)
- Ergebnis: 2. Platz in 4:00,83 min In dieser Konstellation ruderte das Team zum ersten Mal zusammen. Auch hier gab es das gleiche Problem: Die Schlagzahl war deutlich zu hoch. Dennoch harmonierte das Quartett gut und sicherte sich einen hervorragenden zweiten Platz.
Männer Einer (2.000 m)
- Rennen 57, Leistungsgruppe I
- Starter: Mark Walter (82)
- Ergebnis: 4. Platz in 8:07,56 min Das zweite Rennen des Tages war viel härter, aber ich war super zufrieden. Gegen die „jungen Wilden“ in der Leistungsgruppe 1 anzutreten (Baujahr 2x 2006 und 1x 2007 – die alle meine Kinder oder Neffen hätten sein könnten), war ein ganz anderes Kaliber. Trotz leichtem Gegenwind von Steuerbord knackte ich meine persönliche Bestzeit. Rennen sind am Ende eben doch das beste Training.
Renntag 2 – Sonntag, 26. April 2026
Masters Männer Einer (1.000 m)
- Rennen 228, Altersklasse MA (27)
- Starter: Mark Walter (82)
- Ergebnis: 1. Platz in 3:47,50 min (gerudert: 3:54,00 min) Die 1.000m Masters sind mein Hauptrennen und die Anspannung war hoch. Mangels Konkurrenz wurde ich zwei Klassen nach unten gezogen und bekam erstmals eine Zeitgutschrift von 6,5 Sekunden. Mein direkter Gegner in diesem Rennen war Marcel Bruns aus Mölln, der am Vortag mit ca. 3:31,41 min der schnellste Masters-Mann war. Voller Fokus! Starke Gegner machen einen nur besser und spornen zu Höchstleistungen an. Das Rennen lief perfekt, kein Schlag daneben – die Anspannung am Start vor Enorm. Wir fuhren Kopf an Kopf über 850 Meter, mal der eine eine länge vor dem anderen, dann wieder der andere. Am Ende hatte Marcel zwar mehr Körner und kam knapp zwei Sekunden vor mir ins Ziel, aber durch den Bonus für den alten Mann (2 Sek. Differenz von A auf B und nochmals 4 Sek. von B auf C) war uns beiden sofort klar: Sieg für Bramsche. Nach der Medaillenübergabe sind wir noch locker quatschend ausgerudert, haben das Ambiente genossen und direkt Handynummern für Bremen und Otterndorf ausgetauscht.
Männer-Doppelzweier (1.000 m)
- Rennen 221, Altersklasse MA (27)
- Starter: Michael Meyer (80), Andre Oestreich (81)
- Ergebnis: 3. Platz in 4:23,30 min (gerudert: 4:29,30 min – auch hier gab es eine Zeitgutschrift, diese ist aber etwas kleiner als im Einer) Es lief deutlich besser als am Samstag! Die Schlagzahl wurde kontrollierter bei etwa 30 gehalten. Der Einbruch kam zwar trotzdem, war aber erträglicher. Der Leistungsstand war vor dem Rennen klar, sodass das Ziel war, ein sauberes Rennen zu fahren und das gelang.
Mix-Doppelvierer (1.000 m)
- Rennen 230, Altersklasse MB (36)
- Starter: Marion Schulenberg (89), Michael Meyer (80), Andre Oestreich (81), Stefanie Pargmann (91)
- Ergebnis: 3. Platz in 4:04,75 min Eigentlich das Gleiche wie im Zweier: Die Schlagzahl war auch hier unter Kontrolle, die Feldübersicht war deutlich besser und es gab sogar eine erste Schlagzahlvarianz mit einem Schlussspurt.
Frauen-Doppelvierer (1.000 m)
- Rennen 235, offene Klasse A
- Starterinnen: Dirtje Leopold (67), Marion Schulenberg (89), Susanne Hemmersmeier (65), Stefanie Pargmann (91)
- Ergebnis: 3. Platz in 4:26,36 min Die Geschichte hinter dem Frauen-Vierer: „Dabeisein ist alles – und zwar gemeinsam!“ Die Entstehung unseres Starts im offenen Frauen-Vierer (SF 4x A) am Sonntagmorgen ist eine Geschichte, die den Teamgeist des TuS Bramsche an diesem Wochenende wohl am besten zusammenfasst. Eigentlich war für unsere Damen das Masters-Rennen (MW 4x A-K) fest eingeplant. Doch kurz vor der Regatta kam die Hiobsbotschaft der Regattaleitung: Das Rennen fällt mangels Gegnern komplett aus. Plötzlich stand unsere Mannschaft ohne Rennen da. Hinter den Kulissen begann sofort die fieberhafte Suche nach Plan B. Die erste Idee war, das Team aufzuteilen und punktuell in den Mixed-Zweier und Frauen-Zweier umzumelden. Das führte jedoch prompt zum nächsten Problem: einem massiven logistischen Engpass. Da das Herren-Rennen unmittelbar davor lag und unser Doppelzweier „Flipper“ noch in der Werft in Wolfsburg verweilte, fehlten uns schlichtweg die Boote. Es wurden sogar schon vereinsübergreifend Kontakte geknüpft und beim ORV nach einem Leihboot gefragt, nur um niemanden am Ufer stehen lassen zu müssen. Doch dann traf das Frauen-Team intern eine bemerkenswerte Entscheidung: Anstatt sich aufzuteilen, wollten sie unbedingt als Mannschaft zusammenbleiben. Die einzige verbliebene Option war eine Ummeldung in das deutlich jüngere Rennen der offenen Frauenklasse (SF 4x A). Allen war von vornherein klar: Gegen die teils deutlich jüngere Konkurrenz würde man rein sportlich auf dem Papier keinen leichten Stand haben. Doch die Platzierung wurde kurzerhand zur Nebensache erklärt. Die klare Devise lautete: Hauptsache, wir können unser Rennen fahren! Also wurde die Leihboot-Anfrage dankend wieder storniert, das System mit der Nachmeldung gefüttert – und nach einigem Bangen, ob das aktualisierte Meldeergebnis die Änderung auch wirklich schluckt, war es am Sonntagmorgen um 10:00 Uhr soweit. Mit der Startnummer 3 ging der Bramscher Vierer aufs Wasser und bewies eindrucksvoll: Zusammenhalt und die Leidenschaft fürs Rudern wiegen am Ende viel schwerer als das Alter der Gegnerinnen auf der Startliste.
Männer Einer (2.000 m)
- Rennen 157, Leistungsgruppe I und II (Zusammengelegt)
- Starter: Mark Walter (82)
- Ergebnis: 3. Platz in 8:18,60 min Mein letztes 2.000m Rennen hielt eine nette Geschichte für den Ruderabend bereit. Am Start war ich plötzlich allein, da alle drei meiner gemeldeten Gegner (Leistungsgruppe I) sehr kurzfristig abgemeldet hatten. Der Starter hätte mir den automatischen Sieg ohne Gegner geben können, gab aber klar zu verstehen, dass er mich lieber mit der Leistungsgruppe II zusammenlegt, anstatt mich alleine über die Strecke laufen zu lassen. Aus dem automatischen Gewinner wurde ich so am Ende Dritter in einem starken Fünfer-Feld (die zwei vorderen waren deutlich besser und haben das Ding verdient unter sich ausgemacht) und tauchte ohne offiziellen Sieg im Endergebnis auf. Aber ich fühlte mich als Sieger der Herzen: Beide 2.000m-Rennen bin ich deutlich sauberer und trotz der Windverhältnisse unter meiner persönlichen Bestzeit gefahren.
Ein ganz besonderer Dank geht hierbei an den Support des Landteams und deren Familien: Wenn man auf den letzten 200 Metern im Zielbereich lauthals „Bramsche, Bramsche, Bramsche!“ hört, gibt das auf der 2.000-Meter-Strecke noch einmal einen gewaltigen Kick – danke dafür!
Fazit: Ein Wochenende für die Bramscher Seele
Münster 2026 war ein voller Erfolg. Trotz technischer Widrigkeiten und extremer Leistungsunterschiede haben wir als Mannschaft bewiesen, dass wir zusammenstehen. Der Fokus lag darauf, den Teamzusammenhalt zu fördern und eine realistische Einschätzung über unseren Leistungsstand zu bekommen. Die Ergebnisse sprechen für sich und wir wissen jetzt, woran wir arbeiten müssen: Leistung weiter ausbauen, feste Teams finden und die Regattaerfahrung festigen.
Dabei darf man nicht vergessen: Das Niveau war insgesamt beeindruckend hoch – manche unserer Gegner in Münster werden sicher in Krefeld bei den Offenen Deutschen Masters Meisterschaften um den Finaleinzug oder sogar Medaillen mitfahren.
Ein großer Dank geht an das gesamte Team für den unermüdlichen Support. Wir alle haben ordentlich Muskelkater und freuen uns auf die nächsten Wochen. Auf der Rückfahrt wurden auch gleich noch die Meldungen für Bremen am 09./10.05. finalisiert. Ich konnte die Rennen nach den frisch gesammelten Erfahrungen und Einschätzungen direkt schon melden – bestätigt sind sie bereits und nun warten wir hier nur noch auf den Meldeschluss an diesem kommenden Mittwoch, den 29.04. um 18:00 Uhr.
Gerne sind dort wieder viele Besuchertouristen willkommen! Unsere Teams brauchen das lautstarke „Bramsche, Bramsche, Bramsche!“ auf den letzten Metern, so wie ich es an diesem Wochenende gebraucht und genossen habe.
Denn bekanntlich ist nach der Regatta vor der Regatta – der TuS Bramsche ist wieder bereit für mehr!
Mit sportlichen Grüßen und wir sehen uns am Bootshaus, dem Kanal oder auf Regatta!!!
