von Rabea Sonnenberg

Radsport - TuS-Radsportler mit großartigen Eindrücken aus Pyrenäen zurück

Mehr als glücklich und zufrieden, aber auch etwas kaputt und müde sind fünf Radsportler des TuS Bramsche und zwei befreundete externe Radler Anfang September von ihrer Transpyrenäen-Tour vom Atlantik zum Mittelmeer zurückgekehrt...

Kein Wunder, nach fast 720 km von St. Jean Pied de Port am Atlantik bis Ceret am Mittelmeer, gespickt mit über 17.000 hm über acht Etappen. Die Eindrücke von der Pyrenäenlandschaft waren einfach phantastisch, aber auch die sportlichen Herausforderungen hatten es mehr als in sich. Schon auf der ersten Etappe musste die ganze Kondition herhalten: Etappenprofil auf Karte und Garmin gaben die Realität nicht wieder. Über sehr einsame Straßen ging es dauernd mit über 10% nahe der spanischen Grenze nach oben. So wurden die immer wieder vernommenen Berichte, dass die Pyrenäen steil und unregelmäßig im Vergleich zu den Alpen in den Anstiegen sind, gleich in den ersten Stunden der Tour bestätigt. In den nächsten Tagen reihten sich bei Traumwetter die berühmten „Cols“ der Tour de France nahtlos aneinander:

„Marie Blanque“ - Nach zehn Kilometern Anstieg wusste dann auch jeder, warum Erik Zabel diesen Berg stets gehasst hatte, kaum Kehren und immer hart an oder über der 10%-Marke. „Solour“, „Tourmalet“, „Aspin“, „Peyresourde“, „Mente“, und „Portet d`Aspet“. Allein wegen der mehr als 18 km langen Auffahrt von Westen auf den Tourmalet – bekanntlich Ziel einer diesjährigen Bergetappe der Tour - mit Steigungsprozenten meist unter 10% hatte sich die Tour schon gelohnt. Im Blick nach vorne, aber insbesondere nach hinten zeigte sich die großartige Bergwelt der französischen Pyrenäen. Radsportgenuss pur!

Diesen hatte Eugene Christoph Anfang des letzten Jahrhunderts während einer der ersten Tour-de-France-Austragungen nicht, als er in St. Marie der Campan – der erste Ort nach der traumhaften Abfahrt vom Tourmalet – seine gebrochene Radgabel eigenhändig in der Dorfschmiede wieder zusammenschweißte. Ein großes Denkmal in Ortsmitte zeugt noch heute von dieser Heldentat. Tourgeschichte live! Ständige Tour-de-France-Präsenz wurde dann in Bagneres de Luchon vernommen: Ein großes Denkmal am Stadteingang zeugt davon, dass nahezu jedes Jahr das bedeutendste Radrennen der Welt hier Station macht: Entweder als Start-oder als Zielort. Hier ist die Tour einfach zu Hause und die Bewohner sind stolz darauf.

Aber es gab auch Momente des Innehaltens, obwohl nicht eine Panne zu verzeichnen war. Beim Wiederanstieg zum Col de Portet de Aspet wurden wir gestoppt. Nur eine Kurve hätte Fabio Casartelli - Olympiasieger 1990 in Barcelona - auf der Abfahrt bei der Tour de France 1992 noch schaffen müssen, dann wäre er unten gewesen. Aber es kam anders. Nach mehreren Gedenkminuten am großen Mahnmal setzen wir unseren Anstieg schweigend fort. Einsame Höhenstraßen über dem Tal der Ariege, spektakuläre Abschnitte in den Schluchten der Aude und wieder traumhafte Auf-und Abfahrten kennzeichneten die nächsten Tage. An einem Abend hatten wir das Radsportlerglück einen der bedeutendsten Nach-Tour-Kriterien-Orte, die Kleinstadt Quillan, zu besuchen. Im Schaufenster eines Radsportladens waren alle Sieger dieses Rennens bzw. „Tourgrößen“ abgelichtet. Ein noch jugendlich wirkender Didi Thurau blickte uns freudestrahlend entgegen. Auf der zweitletzten Etappe – jetzt schon in mediterranem Terrain – war dann auf dem Col der Jau tatsächlich in 50 km Entfernung zum ersten Mal das Mittelmeer deutlich zu erkennen. „Jau“, geschafft ging es erleichtert durch aller Munde. Die folgende Abfahrt bzw. Einfahrt nach Katalonien mit einem grandiosen „Canigou-Panorama“ von vorne wird wohl lange im Gedächtnis bleiben.

Blieb dann nur noch am Sonntag mit der letzten kurzen Etappe ein „Ausrollen“ ins Küstengebirge Les Alberes auf den dort höchsten Punkt. Der Blick belohnte für die Mühen: Rechts runter der Blick fast bis nach Barcelona und links gen Norden in der Tiefe die französische Mittelmeerküste. Traumhaft.

Was bleibt als Fazit: Einsame, total verkehrsarme Straßen, eine für unsere Verhältnisse nicht vorstellbare besondere Ausschilderung der Pässe ausschließlich für Radsportler mit ständigen Angaben über Höhe, Steigungsprozente, Entfernung bis zum Gipfel etc., eine großartige Bergwelt, erstklassige französische Verpflegung am Abend und während der Tour, sehr freundliche Hotelbesitzer und eine stets allgegenwärtige Tour de France! Eine Erinnerung, die bleibt! Ein großes Lob auf unser dem Radsport verbundene Nachbarland.

Teilgenommen haben vom TuS Bramsche: Johannes Arlinghaus (Vereinsmeister), Gerd Hartwig, Stefan Meyer, Axel Kloppenburg und Josef Kleine Kuhlmann.

Text und Bilder: Josef Kleine Kuhlmann

Zurück